Ort, PLZ oder Straße
Umkreis
Wohnung, Haus, mieten, kaufen
Preis bis:
Zimmer ab:
Fläche ab:
Anbieter
Ergebnisse anzeigen

Immobilien in Offenbach, 926 Ergebnisse

Seite 1 von 78
Goethe, Paganini, Mozart - Offenbach als Industriestandort und Kulturstadt
Um 1775 herum, in der Zeit als Johann Wolfgang Goethe (1749-1832, deutscher Dichter und Naturwissenschaftler) seine Verlobte Lili Schönemann regelmäßig besuchte, begann die Lederwarenherstellung sowie die Ansiedlung der ersten Gewerbe und Industrien. Berühmte Namen wie Niccolò Paganini (1782-1840, italienischer Geigenvirtuose) kamen in die Stadt um bei Pirazzi, einem noch heute existierenden Unternehmen, ihre Musiksaiten zu kaufen oder Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791, deutscher Komponist) um bei Johann André (1741-1799, Musikverleger) Noten drucken zu lassen. Schon 1794 lies Fürst Wolfgang Ernst von Isenburg die Leibeigenschaft aufheben, Fürst Carl Ludwig Moritz 1803 den Juden-Leibzoll und 1812 die Todesstrafe. Die liberale Stadt entwickelte sich kontinuierlich weiter, nach der Eröffnung des heutigen Hauptbahnhofs 1873 kamen Chemie- und Schwerindustrie in das Offenbacher Gebiet, was einen entsprechenden Bevölkerungszuwachs nach sich zog.

Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) hatte Offenbach deutlich mehr Glück als das nahe Frankfurt oder auch Mainz, "nur" sechsunddreißig Prozent der Bebauung waren zerstört, überwiegend in der Alt- und Weststadt. Leider vielen die Reste der Altsubstanz den Stadterneuerungsplänen zum Opfer, sodass der ursprüngliche Charakter der Weststadt als Gartenstadt unwiederbringlich verloren ist. Dicht gedrängt stehen hier heute Bürobauten. Einige der Fehler der damaligen Stadtbebauung ließ Offenbach inzwischen beseitigen, wie die Trennung von Straßenverkehr mittels Rolltreppen und Brücken.

Offenbach besteht aus neun Stadtteilen mit Siedlungen und Vierteln. Eine besondere, gehobene Wohnlage ist das Rumpenheimer Schloss. Das ehemalige Herrenhaus von 1678 diente als Stadtresidenz und war in der Zeit um 1880 zeitweilig unbewohnt, bis es ab 1902 endgültig aufgegeben wurde. Nachdem im Zweiten Weltkrieg der Dachstuhl des Mittelbaus ausbrannte und nach dem Krieg nur noch eine Zeit lang Flüchtlinge dort lebten, verfiel die schöne Barockanlage Zusehens. 1965 kaufte die Stadt Offenbach das Gelände, 1973 sollte das inzwischen zur Ruine verkommen Gebäude zugunsten einer Hochhauszeile abgerissen werden, der Plan scheiterte aber aufgrund von Bürgerprotesten. In den achtziger Jahren ergriff die Stadt Sicherungsmaßnahmen für die noch bestehende Bausubstanz und sanierte die Seitenflügel, bis zum Jahr 2000 entstanden im gesamten Schloss hochwertige Eigentumswohnung, die Außenfassade erstrahlt wieder im alten Glanz.

Anders als in anderen Städten war in Offenbach kaum Großindustrie angesiedelt, sodass keine klassischen Großraumsiedlungen entstanden. Das aufstrebende Bürgertum und die Kleinindustrie ließen die Häuser aufwendig gestalten und ausstatten, viele dieser interessanten Gebäude im damals bevorzugten Stil des Historismus (überwiegend im 19.Jahrhundert, Nachahmung älterer Stilrichtung) sind noch erhalten. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist das in sich geschlossene Villenviertel Westend, auch im 21. Jahrhundert ein Wohnbezirk der oberen Mittel- und Oberschicht.

Die südliche Innenstadt hingegen zeigt eine typische Bebauung der Gründerzeit (je nach Definition 1850-1914), wobei auch hier sowohl der Historismus als auch der Jugendstil (um 1900) die Architektur beeinflusste. Leider wurden nicht alle Häuser fachgerecht saniert, sodass sich neben den wunderschönen Häusern mit Sandsteinbauschmuck und den Klinkerbauten mit kleingliedrigen Fenstern Gebäude mit hässlichen Dämmplatten und groben Kunststofffenstern befinden.

Eines der wenigen Arbeiterviertel von Offenbach war das Mathildenviertel - heute ein Mischgebiet aus Wohnraum und Dienstleistungsgewerbe. In dem Stadtteil leben junge Kreative mit Studierenden in einer multikulturellen Gesellschaft der unterschiedlichsten Nationen. Die Mieten sind nicht sehr hoch, dennoch hat das Mathildenviertel sich nicht zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt, sondern zu einem facettenreichen Ort mit pulsierendem Leben, nette Restaurants, Kneipen und Bars runden das Bild ab. Nahe dem Main liegt hat der Stadtteil dabei auch noch einen hohen Freizeitwert.
Impressum | Datenschutz | AGB
im Hintergrund öffnen mehr Informationen schliessen